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Anna Lewitschewa, Pavel Gazdjuk, Kristina Großehabig, RBTH

"Wart auf mich, ich komm zurück": Eine schützende Formel gegen den Tod

Der deutsche Schauspieler Tom Semmler liest das berühmteste russische Kriegsgedicht

„Wart auf mich“ ist ein Gedicht des sowjetischen Schriftstellers und Lyrikers Konstantin Simonow, das im Juli und August 1941 geschrieben wurde. Als einer der bekanntesten und meistgelesenen Kriegsberichterstatter war er ab 1939 im Fernen Osten eingesetzt, später in Berlin. Seine Berichte und Schriften wurden meist in den Zeitungen „Roter Stern“ (tägliche Zeitung der russischen Streitkräften, die zu den Kriegszeiten zu einem der meistgelesenen Tageblätter wurde) und in kommunistischer „Prawda“ veröffentlicht.

Auf dem Titelbild des Artikels ist eine Szene aus dem sowjetischen Film "Zwanzig Jahre ohne Krieg" zu sehen. Er wurde 1976 von Regisseur Alexej German nach einer autobiografischen Erzählung Konstantin Simonows gedreht und handelt von einer unerwarteten Liebe, die einem Kriegsberichterstatter während seiner kurzen Ferien in Taschkent, weit weg von der Frontlinie, begegnet. Die tragische Rolle des Kriegsberichterstatters wurde ganz unerwartet vom Komiker und Clown Jurij Nikulin gespielt. Die Off-Stimme gehört Konstantin Simonow selbst. 

„Wart auf mich“ ist das berühmteste Kriegsgedicht Simonows. Er widmete es seiner späteren Frau Walentina Serowa, die er im Jahr 1943 heiratete. Nach eigenen Angaben hat das Gedicht keine besondere Entstehungsgeschichte. „Ich ging in den Krieg und die Frau, die ich liebte, blieb zurück. Und ich schrieb ihr einen Brief in Versen…“, so Simonow. 

Ursprünglich war das Gedicht nicht zur Veröffentlichung gedacht – es war zu persönlich. Trotzdem las Simonow es immer wieder seinen Freunden vor, zum ersten Mal seinem Kameraden Gregor Zelme im Oktober 1941 an der nördlichen Front in Murmansk. Nachdem Simonow sein Gedicht am Ende desselben Jahres im Radio vorgetragen hatte, stimmte er zu Beginn des darauffolgenden Jahres auch dem Druck und der Veröffentlichung zu. Zum ersten Mal waren seine Verse am 14. Januar 1942 in der „Prawda“ zu lesen.

Der Literaturwissenschaftlerin Marietta Tschudakowa zufolge ist dieses Gedicht eine Besonderheit, da es die Zensur der damaligen Zeit durchbrach. In der offiziellen Poesie waren Themen wie eine starke persönliche Liebe eigentlich nicht gern gesehen. Vor allem in den Jahren des Krieges erfreute sich „Wart auf mich“ einer großen Beliebtheit. Die Ärztin Slawa Mendelewna Beskina, die in Lazaretten an der Front arbeitete, berichtete, dass immer wieder verwundete Soldaten die Verse Simonows zur Hand nahmen und lasen. Allein das Lesen hatte beinahe schon eine heilende Funktion.

Das russische Original mit seiner deutschen Übersetzung von Klara Blum (1967) können Sie hier herunterladen. 

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