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Inna Parfenowa, RBTH

Russland ehrt Literaturnobelpreisträger Michail Scholochow

Am 24. Mai wäre der Autor von „Der stille Don“ 110 Jahre alt geworden.

Allgemeine Bekanntheit erlangte Scholochow durch seinen epischen Roman „Der stille Don“ (1928-1932), in dem es um die Donkosaken im Ersten Weltkrieg und zu Zeiten des russischen Bürgerkriegs (etwa 1918-1922) geht. Viele Kritiker haben die Autorenschaft Scholochows angezweifelt. Es gibt die Theorie, dass Scholochow die Notizen eines unbekannten Offiziers der Weißen Armee, der von den Bolschewiken erschossen wurde, unter seinem eigenen Namen veröffentlicht habe. Viele hatten Zweifel, dass ein 21-jähriger, nicht sonderlich gebildeter junger Mann ein so tiefgehendes, monumentales und psychologisch fein ausgearbeitetes Werk schreiben könnte.

Scholochow: Was erzählt der Name des Literaten?

Doch die Fürsprecher einer Autorenschaft Scholochows erklären einstimmig, dass Jugend Talent nicht ausschließt und berufen sich dabei auf Johann Wolfgang von Goethe oder Thomas Mann, deren Genie sich bereits in jungen Jahren zeigte oder auf Maxim Gorki und den Literaturnobelpreisträger Iwan Bunin, die beide nicht über höhere Bildung verfügten.

Es ist nicht bekannt, wo genau Scholochow geboren wurde. Seine Kindheit verbrachte er auf einem Landgut. Doch auch wenn Scholochow so eindrucksvoll und so viel über das Kosakentum geschrieben hat, war er doch kein Kosak. Das war auch sein Vater nicht, der eine Dampfmühle betrieb. Scholochows Mutter war Bäuerin. Bis zu ihrer Hochzeit arbeitete sie als Zimmermädchen. Sie durfte seinen Vater zunächst nicht heiraten und wurde zur Ehe mit einem anderen Mann gezwungen. Erst nach dem Tode des Stiefvaters heirateten Scholochows Eltern. 

 

Literaturnobelpreis für „Kraft und Ehrlichkeit“

Scholochow ist Träger des Literaturnobelpreises. Er wurde ihm 1965 verliehen, „für seine künstlerische Kraft und Ehrlichkeit, womit er in seinem Don-Epos einen geschichtlichen Zeitabschnitt aus dem russischen Volksleben gestaltet hat“, wie es in der Begründung des Nobelpreiskomitees hieß.

Vielleicht verdankte er diese Würdigung dem französischen Schriftsteller und Philosophen Jean-Paul Sartre, der im Jahr 1964 übrigens die Annahme seines Literaturnobelpreises verweigerte. Er hatte zuvor einmal bedauert, dass „das einzige sowjetische Werk, das mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, im Ausland erschienen ist und im Heimatland des Autors verboten wurde“. Damit meinte er Boris Pasternaks „Doktor Schiwago“, für das dieser 1958 den Literaturnobelpreis erhalten hatte. Bunin, der als erster Russe den

Dreharbeiten zum Film „Der stille Don" (Regisseur Sergei Gerassimow). Foto: TASS

Es gibt drei Verfilmungen von Scholochows Buch, von 1930, 1958 und 1992. Die dreiteilige Verfilmung des berühmten Regisseurs Sergei Gerassimow von 1958 wurde mit einer Vielzahl internationaler Preise ausgezeichnet.

Sergei Bondartschuk, der für seine Verfilmung von „Krieg und Frieden“ nach Leo Tolstoi den Oscar und einen Golden Globe gewonnen hatte, nahm sich Scholochows Werk ebenfalls an. Seine Verfilmung war ein sowjetisch-britisch-italienisches Gemeinschaftsprojekt. Der italienische Produzent ging bankrott, der Film verblieb lange Zeit bei einer italienischen Bank. Bondartschuk starb, ohne jemals seinen Film auf der Leinwand gesehen zu haben. Später hat sein Sohn Fjodor Bondartschuk eine kurze Fernsehversion zusammengestellt.

 

Verurteilung zum Arbeitslager

Scholochow arbeitete bereits seit seinem 15. Lebensjahr und übte die unterschiedlichsten Berufe aus, vom Ladearbeiter bis hin zum Lehrer. 1922, während seiner Tätigkeit als  Steuerinspektor, wurde Scholochow wegen der Annahme von Bestechungsgeldern verhaftet und zur Erschießung verurteilt. Sein Vater zahlte eine hohe Kaution für ihn und legte eine Geburtsurkunde vor, nach der

Tagebuch eines Gulag-Wächters: Eine Buchrezension

Scholochow zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt gewesen wäre. Die Strafe wurde daraufhin in ein Jahr Arbeitslager umgewandelt. Doch Scholochow ist dort nie angekommen.

Zu den größten Kritikern Scholochows gehörte Alexander Solschenizyn. Er gehörte zu denen, die Scholochow des Plagiats beschuldigten. Scholochow bekämpfte seinerseits offen Solschenizyn. Ende August 1973 unterstützte er mit einem Brief an die Zeitung „Prawda“ eine Kampagne gegen Dissidenten. Er beschuldigt darin Solschenizyn und Andrej Sacharow „Misstrauen gegen die weltoffene Politik des sowjetischen Staates zu säen“. Ebenfalls sprach sich Scholochow, der der Kommunistischen Partei gegenüber stets loyal war, gegen die Auszeichnung von Solschenizyns Erzählung „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ mit dem Leninpreis aus.

Die Beziehung zwischen den beiden war und blieb schwierig. Später lehnten sie es ab, sich zum jeweils anderen oder dessen Werk zu äußern. 

 

 

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