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Festival
Autor
Alexandra Gurkowa

Russisches Konzert begeistert in Berlin

Ein originelles Konzert mit russischer Musik jenseits traditioneller Vorstellungen begeisterte die Zuschauer im Russischen Haus und bot kostenloses „Sommerglück“.

Am 2. September fand im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin ein außergewöhnliches Konzert statt. Auf der Bühne versammelten sich ein Kosakenchor, eine Jazz-Band und eine Ethno-Rock-Band. Der Veranstalter, die russische föderale Agentur Rossotrudnitschestwo, wollte den deutschen Zuschauern die musikalische Vielfalt Russlands zeigen: „Russland hat musikalisch mehr zu bieten als nur Ballettmusik und Volkslieder“, sagte Projektleiter Michail Kudinow. Das Bindeglied zwischen den Genres und Musikrichtungen sei die russische Sprache. Damit füge sich die Veranstaltung perfekt in das Konzept der „Kulturellen Reise nach Deutschland“ ein, wie Kudinow bemerkte.

Den Anfang machte das Kinderensemble Zhivaya Starina („Lebendiges Altertum“) mit Tänzen zu Trommelschlägen und Volksgesängen zur Balalaika. Ihr mitreißender Auftritt war eine Hommage an die Traditionen der Don-Kosaken. Viel hätte nicht gefehlt und das begeisterte Publikum hätte mitgetanzt. Die Politik blieb an diesem Abend vor der Tür. Das war ganz im Sinne Kudinows: „Es gibt mehr als Politik“, sagte er. Gesellschaftliche Werte würden geprägt durch Sprache und Kultur. „In Deutschland leben viele Menschen, die aus Russland stammen, darunter Künstler, Literaturschaffende, Musiker“, bemerkte er. Sie alle seien eingeladen, sich am Projekt zu beteiligen, denn sie seien die besten Botschafter ihres Landes. „Sie sind Diplomaten des Volkes, die zur Völkerverständigung beitragen können“, findet Michail Kudinow. 

Auf die Kosaken folgte Jewgenija Sima aus Sankt Petersburg. In ihrer Musik verbindet sie Elemente der russischen Folklore mit Jazz und Blues. Eine klassische Geige spielt bei ihren Interpretationen eine zentrale Rolle. Sie ist die Frontfrau der erfolgreichen Band „Sima“. Sie ist vor allem in Italien, Frankreich und der Schweiz bekannt. „Sima“ ist sogar schon bei einem G-8-Gipfel aufgetreten. Extravagant ist ihre Musik und voller positiver Energien. Die Musikerin versprach ihrem neugierigen Publikum denn auch, dass es sich nach ihrem Auftritt besser fühlen werde. Der Besucher Leonid Ignatow konnte das nur bestätigen. Der Rentner war eigentlich nur zum Konzert gekommen, weil es keinen Eintritt gekostet hatte. „Simas“ heiße Jazz-Musik habe bei ihm das Gefühl von „vollständigem Sommerglück“ hinterlassen, sagte er.

Zum Schluss trat Olga Arefjewa im Russischen Haus auf. Sie gilt als eine der talentiertesten und extravagantesten russischen Sängerinnen. Ihr erstes Album nahm sie im Jahr 1991 auf. In Berlin präsentierte Arefjewa mit ihrer Ethno-Rock-Band „Kowtscheg“ („Arche“) ihr Programm „Anatomie“. „Weniger Worte, mehr Lieder“ lautete das Motto. Aus ganz Deutschland seien „Kowtscheg“-Fans zu ihrem Auftritt gekommen und sogar aus Russland und Polen, sagte Michail Kudinow. Der letzte Auftritt von Olga Arefjewa in Deutschland lag zwanzig Jahre zurück – doch das Warten hat sich gelohnt. „Hypnotisch“, nannte die Konzertbesucherin Anna den Auftritt. Arefjewa wecke Sehnsüchte. „Am liebsten würde man alles hinter sich lassen und als Dichter umherziehen, so wie es in einem ihrer Lieder erzählt wird“, sagte Anna. Sie fand es nur schade, dass es zu wenig Werbung für das Konzert gegeben habe. Sie selbst habe erst am Vortag vom Konzert erfahren und gleich all ihre Freundinnen informiert. Sie hätte den Künstlern noch mehr Zuschauer gewünscht. So waren es vor allem Slawisten, russisch-deutsche Familien und Liebhaber der russischen Geschichte und Kultur, die Michail Kudinow im Publikum entdeckte. Bei ihnen kam die Auswahl der Künstler gut an. „Es war originell“, fasste Anna zusammen. 

In den kommenden zwei Wochen wird das Konzert in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Bremen wiederholt. Mitte September findet in Hamburg das letzte Konzert statt. 

 

Das Konzert ist Teil der „Kulturellen Reise nach Deutschland“, einer Roadshow, die von der russischen föderalen Agentur Rossotrudnitschestwo und der Moskauer Universität für Industrie und Finanzen „Synergy“ im Rahmen des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland veranstaltet wird. Die Roadshow startete am 1. September 2014 und lädt kulturinteressierte Erwachsene und Kinder sowie Slawisten und Russischinteressierte zu einem jeweils zweitägigen Informations- und Kulturprogramm ein.

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