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Autor
Lena Arent

Russisch für Karriere: Nur Deutsch spricht man häufiger

Lohnt es sich, Russisch zu lernen? Die Teilnehmer des Workshops „Russisch für die Karriere“ am 27. September im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin hatten darauf eine eindeutige Antwort: Ja!

Am 27. September fand im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur (RHWK) im Rahmen des GEG-Forums ein Workshop zum Thema „Russisch für die Karriere“ statt. Veranstaltet wurde das Forum vom Verein Go East Generationen und dem RHWK. In dem Workshop diskutierten Sprachlehrer vor dem Hintergrund der angespannten politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland über das Für und Wider, die russische Sprache zu erlernen.

Brigitte Dreßler unterrichtet Russisch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Sie stellte Möglichkeiten vor, die russische Sprache in Berlin zu lernen. In bilingualen Kindertagesstätten etwa im Bezirk Lichtenberg können schon die Kleinsten die ersten russischen Worte lernen und anschließend auf zweisprachige Schulen wie die Lew-Tolstoi-Grundschule und später auf die Mildred-Harnack-Schule wechseln. Zudem bieten nach Angaben von Dreßler derzeit 90 Berliner Gymnasien Russisch als Fremdsprache an. Die Zahl der Schüler, die Russisch als Fremdsprache in der Schule lernen, sei in den letzten Jahren um 1,7 Prozent gestiegen, erklärte die Dozentin. Im Hochschulbereich gebe es verschiedene Kooperationsprojekte, die HTW beispielsweise sei Partnerhochschule der Staatlichen Kuban-Universität Krasnodar.

INFO:

Der Workshop „Russisch für die Karriere“ fand im Rahmen des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland statt. Er wurde von Dr. Brigitte Dreßler von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sowie Koordinatorin der Hochschulpartnerschaft HTW Berlin – Staatliche Kuban-Universität Krasnodar, und Olga Vaulina, Beraterin von der Berliner PR-Agentur KaiserCommunication, als Veranstaltung des Forums „Russen und Deutsche im Dialog: Kompetenz, Erfahrung, Kontinuität“ des Vereins Go East Generationen durchgeführt. 

Russisch sei aktuell die zweithäufigste gesprochene Sprache in Deutschland, erklärte Andreas Jopt von der Handels- und Industriekammer Russlands. Jopt hat selbst an der HTW studiert. Sich für Russisch als Fremdsprache in der Schule zu entscheiden, erfordere ein wenig Mut, so seine Erfahrung, denn oft fänden sich nicht allzu viele Mitstreiter. Mathias Merta, ebenfalls Absolvent der HTW und heute kaufmännischer Projektleiter der Siemens AG, hat das nicht abschrecken können. Er profitiere heute davon, dass er fließend Russisch spreche, sagte er, denn in Russland sei es insbesondere außerhalb der bekannten Metropolen keinesfalls selbstverständlich, dass jeder Englisch spricht. Auch in der Geschäftswelt sei Russisch die Verkehrssprache. Seine Sprachkenntnisse öffneten ihm daher Türen. Das überraschte Georg Hiemann, einen Teilnehmer der Diskussion. „Nicht nur Englisch, auch Russisch kann im Berufsleben wichtig sein“, stellte er fest.

Leo Weschmann, Institutsleiter des Russicums am Landesspracheninstitut der Ruhr-Universität Bochum, empfahl, sich vor dem Russischlernen über die persönlichen Ziele klar zu werden. Gabriele Voigt ist Russischlehrerin und hat mehrere Jahre in Russland und Kasachstan gelebt. Sie nutzt ihre Sprachkenntnisse, um sich ein eigenes Bild von der politischen Lage zu machen. „Um 19 Uhr schaue ich Pervij Kanal und Novosti und dann um 20 Uhr die Tagesschau. Das ist wie Schwarz und Weiß“, berichtet sie. Voigt wünscht sich, dass die Berichterstattung ausgewogener wäre und Russland nicht immer vor allem negativ dargestellt werde. Sie glaubt, dass dies einen Keil zwischen Russen und Deutsche treibt. Das wolle sie verhindern und forderte alle Workshop-Teilnehmer auf, sich ebenfalls dafür einzusetzen. Für ihre emotionale Rede erntete Voigt großen Applaus.

Andreas Jopt nutzte die Gelegenheit, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass auch hier Russischkenntnisse sehr hilfreich seien. Wer Russisch könne, könne sich in russischen Medien informieren und auf diese Weise auch die russische Sichtweise erfahren. Sprache diene als Mittel der Völkerverständigung – was umso wichtiger sei, da Deutschland „für die Russen die beliebteste Nation“ sei, wie Jopt betonte. „Wir sollten alle Partner, die mit unserem Verein Go East Generationen verbunden sind, dazu auffordern, die Ereignisse in der Ukraine nicht nur aus europäischer und deutscher Sichtweise heraus zu verstehen, sondern auch aus der russischen“, forderte er.

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