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Literatur
Autor
Daria Warlamowa, für RBTH

„Meister und Margarita“: Von Mythen und Fakten

Was inspirierte Michail Bulgakow zu seinem Meisterwerk?

Goethes Faust und die nordische Mythologie

Michail Bulgakows Fürst der Finsternis, Woland, hatte gleich mehrere Vorbilder. Sein Name leitet sich von einer der vielen Bezeichnungen für den Teufel ab. In Goethes „Faust“ ist vom Junker Voland die Rede. Eine Verbindung zu Goethes „Faust“ ergibt sich durch den Krückstock mit Pudelkopf – in der Gestalt eines Pudels erscheint Mephisto, der Teufel, Faust das erste Mal – sowie durch die Antwort auf die Frage nach Wolands Nationalität („Möglicherweise deutsch“). Nach

Michail Bulgakow: „Meister und Margarita", 608 Seiten, erschienen bei Galiani, Berlin 2012, 29,99 Euro. 

Meinung der Literaturkritiker erinnert der große und dunkelhäutige Woland äußerlich aber auch an den berühmten Mystiker und Abenteurer Graf Cagliostro. Die Krähe auf der Schulter und die vier schwarzen Pferde sind hingegen Attribute des nordischen Gottes Odin, der auch Wotan genannt wird.

 

Der Ball im Spaso House

Als Vorbild für den Ball des Teufels dient möglicherweise das Frühlingsfest im Spaso House, der Residenz des US-amerikanischen Botschafters, das am 24. April 1935 stattfand. Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Marietta Tschudakowa stellte diese These erstmals auf. Es ist bekannt, dass Bulgakow unter den Gästen des Sommerfests war. Der damalige Botschafter William Bullitt hatte seinen Mitarbeitern aufgetragen, ein extravagantes Fest zu organisieren. Die Dekoration bestand aus einem Birkenhain mit einer Lichtung. Dazu gab es Fasanen, Papageien und Finken und sogar einen Streichelzoo mit Ziegen, Hähnen und Bären. „Ich erinnere mich besonders an den großen Saal, in dem ein Schwimmbad und eine unglaubliche Menge exotischer Blumen waren“, erzählt Jelena Bulgakowa. Das Fest verlief nicht ohne Zwischenfälle: Die Bären tranken Champagner und die Finken flogen durch sämtliche Räumlichkeiten.

 

Margarita und die Bluthochzeit

Margarita auf dem Ball beim Satan. Eine Szene aus der Filmserie von 2005. Foto: Kinopoisk.ru.

Im Roman werden Margaritas französische Wurzeln und ihre Verwandtschaft zu einer der Königinnen betont. Der Schlüssel zu diesem historischen Rätsel ist eine Episode auf dem Weg zum Ball, wo der Betrunkene, der in Margarita eine Reinkarnation besonders blauen Blutes sieht, sie „helle Königin Margo“ nennt und „Unsinn über die blutige Hochzeit seines Freundes Gessar in Paris“ murmelt. Francois Gessar war Sprachwissenschaftler und Herausgeber der Korrespondenz von Marguerite de Valois, eben jener jungen Königin, deren Hochzeitsfeier als Bartholomäusnacht in die Geschichte einging und deren Abenteuer Alexandre Dumas anschaulich beschrieb. Bulgakow erlaubte sich allerdings einige historische Freiheiten.

 

DerverfluchteRoman

In kreativen Kreisen gilt das Buch als verflucht. Theaterstücke und Verfilmungen des Romans bringt man mit Unfällen, Krankheiten und Todesfällen vieler bekannter Schauspieler in Verbindung. So starben eine Reihe von Darstellern der erfolgreichsten Adaption – einer Serie des Regisseurs Wladimir Bortko aus dem Jahr 2005: Alexander Abulow starb 2008, Wladislaw Galkin wurde 2010

Zehn Zitate aus dem Roman "Der Meister und Margarita"

tot aufgefunden und Kirill Lawrow starb 2007. Bortko selbst glaubte jedoch nicht an einen Fluch. Auch andere Verfilmungen waren vom Pech verfolgt. So konnte beispielsweise der Film des Regisseurs Jurij Kara 17 Jahre lang nicht gezeigt werden, da es Streitigkeiten mit den Erben Bulgakows gab.

 

Freimaurer-Symbolik

Im Roman sind Hinweise auf eine Mitgliedschaft Wolands und anderer Figuren bei den Freimaurern versteckt. Wolands goldenes Zigarettenetui ziert ein diamantenes Dreieck, das Symbol der Dreiheit des Kosmos. Es tauchen ein „Mantel, blaue feurige Materie“ und der Degen mit goldenem Griff auf; beides Attribute, die typisch für die Freimaurer des Grades der Ritter Kadosch waren. Zudem erinnert die Geschichte über den abgetrennten Kopf Berlioz’ an die Legende des letzten Großmeisters des Tempelordens, Jaques de Molay, der im Jahr 1314 verbrannt wurde. Sein Schädel blieb dabei angeblich unversehrt. Er soll in die USA gebracht und dort für freimaurerische Riten verwendet worden sein. Auf Darstellungen ist er oft mit Edelsteinen geschmückt und auf einem Goldständer zu sehen. Aus Berlioz‘ Kopf wird im Roman ein Trinkgefäß. 

 

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