Suchformular

Im Gespräch
Autor
Igor Rosin

„Konflikte entstehen durch Unwissenheit“

Ewgenij Resnitschenko, langjähriger Leiter des Moskauer Instituts für Übersetzung, im Interview darüber, welchen Wert die literarische Übersetzung für die Verständigung der einzelnen Völker hatte und hat.

Anfang September fand in Moskau der Internationale Kongress für Literaturübersetzer statt, außerdem wurde der Read-Russia-Preis für Übersetzungen russischer Literatur verliehen. Wie bewerten Sie diese Events?

Der Read-Russia-Preis ist für jeden Übersetzer ein Ziel, auf das er hinarbeitet, und eine bedeutsame Anerkennung seiner Arbeit. Ich möchte betonen, dass der Großteil unserer Übersetzer Enthusiasten sind. Die Literaturübersetzung ist der Sinn ihres Lebens. Der Preis stellt dabei eine angenehme und unerwartete Zugabe dar und bestätigt ihren eingeschlagenen Weg. Er wird in dereinzigartig festlichen Atmosphäre des legendären Paschkow-Hauses überreicht – dieser Moment bleibt einem ein Leben lang in Erinnerung. 

Welche Ziele verfolgt das Institut für Übersetzung mit der Ausrichtung des Literaturübersetzerkongresses?

Unsere oberste Priorität ist es, junge Übersetzer in ihrer Täigkeit zu unterstützen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Zum anderen versuchen wir, den Nachwuchs zu schulen. 

Nahmen am Kongress viele Nachwuchsübersetzer teil?

Es gab Nachwuchstalente, erfahrene Übersetzer und ergraute Meister, 130 aus dem Ausland und 170 aus Russland und den GUS-Staaten. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, Plenarsitzungen und Workshops für Nachwuchsübersetzer zu besuchen, in Arbeitsgruppen aktiv zu werden und Schriftsteller persönlich kennenzulernen. Die über 200 Vorträge erscheinen zum Teil in einemKongressband. Wir vom Institut für Übersetzung hatten die Möglichkeit, von aktuellen Projekten zu erfahren, über die Tätigkeit des Instituts zu informieren und Fördermöglichkeiten zu erläutern.

Dieses Jahr zeigten vor allem Übersetzer aus Georgien, Litauen und Kasachstan großes Interesse an der Tätigkeit des Instituts. Was sind die Gründe?

Während der Sowjetzeit gab es eine solide Übersetzerschule mit unterschiedlichen Nationalsprachen. Bedauerlicherweise ging vieles davon nach dem Zerfall der Sowjetunion verloren. Heutzutage sehen wir, wie die gemeinsame Kulturarbeit langsam zurückkehrt und neuerlich ein kultureller Austausch mit den Ländern des sogenannten nahen Auslands entsteht. Ich bin davon überzeugt, dass wir Konflikten vorbeugen können, wenn wir die Literatur des jeweils anderen Landes lesen und uns kulturell nicht von der restlichen Welt abschotten. Denn Konflikte resultieren gewöhnlich aus Unwissenheit.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse des Kongresses?

Darüber möchte ich erst sprechen, wenn ein wenig Zeit verstrichen ist. Für uns ist das Wichtigste, dass mehr Werke russischer Autoren übersetzt werden und dass dies auch von den Lesern honoriert wird. Der deutschsprachige Raum war mit 10 Übersetzern vertreten, die in Workshops Themen von Lagerliteratur bis Science Fiction erörterten.

Meistgelesene Beiträge
Forum
19. August / 08. September
Staatliche Universität Voronezh, Russland
XI. Internationale Sommerschule: "Russland im Spannungsfeld zwischen Europa und seinen imperialen Peripherien"
Seminare, eine Reihe von Vorträgen, Russischintensivkurse sowie Exkursionen zu Ausflugszielen in der näheren Umgebung Voronezhs stehen auf dem Programm.
Festival
12. Juni / 14. Juni
Berlin-Karlshorst
Deutsch-Russische Festtage 2015
Auch in diesem Jahr finden vom 12. bis 14. Juni nun bereits zum neunten Mal die Deutsch-Russischen Festtage statt, wie gewohnt unter freiem Himmel in Berlin-Karlshorst.
Festival
05. Juni
Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin
Tag der russischen Sprache in Berlin
Preisvergabe der Aktion "Totales Diktat" und zwei Ausstellungen über Puschkin und Lermontow in Wort und Bild erwarten die Besucher des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin.
Ausstellung
04. Juni / 04. Oktober
Museumsfoyer der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig
SchriftBild. Russische Avantgarde
Wie Majakowskij, Rodtschenko und andere russische Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts Sprache, Schrift und Bild zu einer Synthese verschmolzen.