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Literatur
Autor
Wladimir Sorokin

Kaiserin Sisi, Hitler und Freud: Eine Straße voller Geschichte

Wladimir Sorokin schreibt zum 150. Geburtstag der Ringstraße in Wien.

Am 1. Mai ist die Ringstraße, der legendäre Straßenzug rund um das historische Zentrum Wiens, 150 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat der Wiener Tourismusverband eine Textsammlung drücken lassen – "1865, 2015. 150 Jahre Wiener Ringstraße. Dreizehn Betrachtungen". Ein Essay des zeitgenössischen russischen Schriftstellers Wladimir Sorokin ist auch dabei. Wagen Sie seinen "Cocktail"?

Der heutige Universitätsring mit dem Burgtheater um 1900, im Vordergrund der Rathauspark. Bild: Wikipedia.com

Cocktail

 

Wenn Sie der marmornen Pracht der Secession schon überdrüssig sind und die vergoldeten Lorbeerblätter vor Ihrem geistigen Auge von der glänzenden Kuppel abfallen wie in einem Jugendstil-Herbst, wenn die wunderbaren fahlen Figuren in Klimts Beethovenfries in Ihnen eine Melancholie wecken, die in dumpfe Sorge wegen Ihres falsch geparkten Wagens ausartet, wenn der Stephansplatz, überlaufen von chinesischen und amerikanischen Touristen, Sie plötzlich an die Fußballweltmeisterschaft und an das verlorene Spiel Ihres Favoriten erinnert und die aus dem Stephansdom strömenden japanischen Touristen an die Folgen des verheerenden Tsunami und an die noch nicht beglichene Steuerrechnung vom April, wenn Ihnen im Freud-Museum unvermutet schwindlig wird und sich mit psychoanalytischer Feinfühligkeit unsichtbare Nadeln bis in die Spitzen der auf einmal eiskalten Finger bohren, wenn das Wort „Wienerschnitzel“ aus dem Munde des betagten Kellners Sie vom Thonet-Stuhl auffahren lässt und Sie aus dem legendären Kaffeehaus mit den marmorierten Säulen und der Puppe des schnurrbärtigen Stammgastes treibt, wenn die Blumenbeete in Schönbrunn Sie schmerzhaft an den Zahnarzttermin erinnern, den Sie schon dreimal verschobenen haben, und die Länge des Karl-Marx-Hofes an die se-e-e-h-h-h-hr alte Schuld bei einem guten alten Freund, wenn der Bart des Kutschers zusammen mit der bittersüßen Walzermelodie aus dem iPhone eines russischen Touristen in Ihnen die Erinnerung an das kommunistische Gespenst weckt, das in Europa umgehen soll, aber dem Sie in Ihrem ganzen Leben noch nie begegnet sind, wenn Ihnen ganz Wien vorkommt wie ein großer Hybrid aus Konditorei und Museum mit einer unendlichen Armee höflich-kühler Kellnerinnen – lassen Sie das alles hinter sich und gehen Sie auf die Ringstraße.

Ich habe es auch so gemacht, als ich eine Zeit lang in Wien wohnte – einer Stadt, nach außen so schön, dass einem diese imperiale Schönheit leicht Überdruss und Schwindel bereiten kann. Vom allzu Schönen sollte es nicht zu viel geben, Wien ist aber wie eine Festtagstorte mit einem Mozart aus Schokolade obendrauf. Man sollte sich auch nicht jeden Tag mit Torte vollstopfen!

Die Ringstraße ist die demokratischste Straße Wiens. Dieser Boulevard ist jederzeit für alle Fußgänger weit offen, für Touristen genauso wie für die Wiener. Er verlangt nicht, dass man ihm mit Pietät begegnet, erwartet nicht, dass man ehrfürchtig mit dem Stadtplan hantiert, legt keinen Wert aufs Elitäre, streut einem keinen imperialen Staub in die Augen. Das Imperiale bleibt an den Rändern des Boulevards. Auf ihm verkehren Straßenbahnen, fahren Radfahrer. Hier wachsen Bäume, liegen Schnapsfläschchen und Zigarettenstummel. Die Ringstraße gibt Ihnen keine Gelegenheit sich zu verirren, sich zu verlieren. Sie zieht sich lange, breit und endlos dahin, und obwohl sie „Ring“ genannt wird, ist sie eigentlich keiner, weil sie vom Kai abgeschnitten wird. Darin liegt auch etwas Demokratisches, das Unvollendete der Kreisform, das Fehlen der abgeschlossenen Strenge: Der Kreis wird vom Fluss aufgesprengt. Sind Sie den „Ring“ entlanggegangen, biegen Sie nun am Kai ab. Kaufen Sie am Kiosk ein Eis, gehen Sie am Ufer des rasch dahinströmenden schmalen Kanals weiter und erfreuen Sie sich am Anblick des getrübten Wassers. Hier am Wasser skaten Studenten, gehen Damen mit ihren Hunden spazieren, liegen Sandler in ihrem Urin. Haben Sie vom Fluss genug, biegen Sie wieder rechts ab, gehen durch die Gassen und kommen beim wuchtigen Gebäude des MAK, des Museums für Angewandte Kunst, heraus. Hier setzt sich diese Straße – die Ringstraße – erneut fort. Und wie auf einem Fluss kann man auf ihr ziellos im Boot seines Schicksals, das einen in diese prächtige Stadt verschlagen hat, dahingleiten. Sich treiben lassen, rudern, rudern, die Passanten nicht beachten und auch nicht die Sehenswürdigkeiten zu beiden Seiten. Diese werden Sie nicht zum Halten nötigen, nicht verlangen anzulegen, werden sich nicht aufdrängen mit ihrer Geschichte, ihren Daten und Personen. Sie erlauben sich nur vorbeizuziehen. Wenn Sie aber wollen, treten Sie näher, legen Sie Ihre Handfläche auf ihren Marmor oder Granit und fühlen Sie das bedeutungsschwangere Schweigen des imperialen Herzens. Ja, das ist die Stille des untergegangenen Reichsgebildes, die glanzvolle Grabesruhe der Habsburger.

Autor: Jacob Hoefnagel (1609) / Claes Jansz Visscher (1640). Klicken Sie das Bild an, um es näher anzusehen. 

„Wiener Blut! Wiener Blut!“, singen die marmornen Skulpturen und Säulen freudig.

„Das Wiener Blut stockte …“, hält der dunkle Granitsockel düster dagegen.

„Gott erhaaaaalte, Gott beschüüüüütze …“, rauschen die Kastanienbäume.

„Virrrrribus unitttttisss …“, knarrt das Rad der Straßenbahn.

Die steinernen und eisernen Adler werden sich nie mehr in die Luft erheben. Sie wachen über die imperiale Vergangenheit. Hier könnte man auch den aus St. Petersburg stammenden Dichter Brodsky zitieren:

„Doch immer zog’s Adler magnetisch zur Eisenlegierung.“

Die Eisenspäne einstiger imperialer Größe sind über das marmorne Wien verteilt. Die Hausmeister fegen sie morgens weg, Museumswärter sammeln sie in Plastiksackerln, Tauben picken sie mit den Brotkrümeln auf, alte Frauen bewahren sie in Schatullen zusammen mit dem Schmuck der Großmutter, und Nationalisten treiben sie sich als doppelköpfige Tätowierung unter die Haut. Sie stechen den Touristen in die Augen, knirschen zwischen den Zähnen der Skateboard fahrenden Jugendlichen und knacksen unter den abendlichen Absätzen der Damen in ihren weiten Mänteln, die zur nächsten Premiere in die Oper eilen.

„Oh, ihr Gäste unserer berühmten Stadt! Wenn Sie über die Ringstraße gehen, beachten Sie die herrschaftlichen Zeichen der österreichisch-ungarischen Staatlichkeit, legen Sie Ihre Hände auf die Klauen der österreichisch-ungarischen Adler! Kleben Sie Ihren Kaugummi auf die furchterregenden Schnäbel, besprühen Sie die mächtigen Flügel mit Coca-Cola und fotografieren Sie sie mit Ihrem rosa iPhone!“

Wenn Sie das aber nicht wollen, gehen Sie einfach weiter, genießen Sie das Rauschen der Kastanienbäume und Platanen. Die beiden Palais-Anlagen (auf der einen Seite mit dem maskulinen Heldenplatz, auf der anderen Seite mit der bukolischen Maria Theresia) lassen Sie dabei hinter sich …

1865, 2015.150 Jahre Wiener Ringstraße: Dreizehn Betrachtungen. Metroverlag, Wien, 2015. 192 S. 

Durch diesen Ring lässt Wien Sie ruhig ein und lässt Sie genauso ruhig wieder hinaus.

Entscheidend ist das Gefühl, mit dem Sie die Ringstraße verlassen.

Jede Hauptstadt gleicht einem lebendigen Wesen. Sie kann sich hingeben, sich öffnen, ihre innere Wärme mitteilen. Sie kann Sie aber auch mit urbaner Kälte umhüllen. Man kann sein ganzes Leben in einer Stadt verbringen und dennoch nicht in sie eindringen, nicht die Wärme ihres Wesens spüren. Ohne Zweifel gibt es auch frigide Städte, man darf sich jedoch nicht – Teufel nochmal – von solcher Frigidität bremsen lassen! Museumsbesuche bringen eine Stadt zum Gähnen. Alle Hauptstädte dieser Welt sind dazu verurteilt, museale Träume zu haben. Sie sind dieser aber schon ziemlich überdrüssig. Hauptstädte wollen von ihren Gästen Zärtlichkeit. Jede von ihnen hat ihre erogenen Zonen. Man braucht diese nur zu berühren, und schon gibt sich die Stadt hin, fällt auf den Rücken und macht die Beine breit oder legt sich auf dich und berauscht dich mit ihrem heißen Atem.

Auch Einheimische sagen: „Die Stellen muss man kennen!“

Man muss unbedingt die sensiblen Stellen am Körper der marmornen Schönheit Wiens kennen. Sie hat etliche davon. Berührt man sie, gerät diese Stadt in erotische Wallung und verströmt jene Reizstoffe, die normalen Touristen, gewohnt, die Weltstädte nur mit ihren kalten Fotoapparaten zu streifen, verborgen bleiben. Da gibt es größere Zonen, wie den Heldenplatz oder den Zentralfriedhof, und kleinere, die dafür aber se-e-e-h-h-h-hr empfindlich sind: den Naschmarkt, das „Bermudadreieck“, die Katakomben. Die Ringstraße jedoch ist eine der Hauptzonen. Bei ihrer Berührung erbebt die Schönheit Wien und schließt leicht ihre dunklen magyarischen Augen. Das Blut in den Adern Wiens beginnt schneller zu fließen.

Ungeachtet ihrer topographischen Nichtgeradlinigkeit ist die Ringstraße das Rückgrat dieser Stadt. Kennen Sie die Hure Magda aus Nabokovs „Camera obscura“? Selbst sie schätzte es, wenn die Lippen eines Liebhabers langsam über ihren Rücken glitten. Da ist solches erst recht von verwöhnten aristokratischen Persönlichkeiten zu erwarten!

Stellen Sie sich vor, dass Ihre Schuhe diese Lippen sind. Warten Sie bis zum Abend, und gehen Sie auf die Ringstraße, wenn die heiße sommerliche Sonne untergeht und den Himmel einfärbt. Das Straßenpflaster ist voll staubiger Wärme. Die warmen vielfingrigen Blätter der Kastanienbäume regen sich kaum. Auf der Ringstraße kommt es nie zu Menschenansammlungen. Hier gibt es immer nur Passanten, die eilig ihren Geschäften nachgehen oder einfach nur promenieren. Diese lange und breite Straße schenkt den Menschen Raum und lässt nicht zu, dass sie sich zu einem Haufen zusammenballen. Man schreitet frei auf ihr dahin. Touristen verschlingen die Umgebung durch die Linsen ihrer elektronischen Geräte, Studenten eilen lachend zu einer Party, Familienväter in ein vertrautes Café, um nach der Arbeit den verdienten Tafelspitz zu essen, begleitet von einem Glas Gösser. Schwarzhaarige Schönheiten streben zu ihren Geliebten, Damen gehen mit ihren Hündchen spazieren, Verrückte … Da steht ein einzelner Verrückter, umarmt den Stamm eines Kastanienbaumes und murmelt: „Strahle, strahle Beteigeuze! Liebste, geliebte Martha, hörst du die kosmische Musik?!“ Wien ist überhaupt reich an Verrückten, und auch auf der Ringstraße gibt es etliche davon. Einmal, als ich meinen gewohnten Spaziergang machte, von der Hörlgasse vorbei an der Votivkirche durch den winzigen Sigmund-Freud-Park zur Ringstraße, löste sich, kaum hatte ich das Parlament erreicht, eine magere Gestalt von der Skulpturengruppe mit der Pallas Athene, stieg die marmorne Treppe herunter und kam auf mich zu. Das Haar kurz geschoren, aber mit Bart, erinnerte er mich irgendwie an den genialen Hundertwasser. Seine graublauen, völlig klaren Augen blickten erhaben-konzentriert. Als ich stehen blieb, sprach er mich in einer altmodischen, gestelzten Weise an:

Kaiserin Elisabeth von Österreich. EIn Porträt von Franz Xaver Winterhalter, 1865. 

„Gnä’ Herr, Sie wissen eh, dass sie nicht mehr weit sind?“

„Wer – sie?“

„Die Schlagmänner.“

„Die Schlagmänner?“

„Ja, ja, die Schlagmänner. Massen von ihnen, sie kommen.“

„Von wo?“

„Von überall. Die roten Schlagmänner mit ihren Schlägern. Sie werden alles zerstören. Alles!“

Er streckte eine Hand mit zu langen Fingernägeln aus.

„Seien S’ so gütig, legen S’ ein bisserl Kleingeld in diese Hand für den Kampf gegen die roten Schlagmänner.“

Ich gab ihm ein paar Münzen.

Vielleicht spielte er auch nur die Rolle des Verrückten. Aber er spielte sie überzeugend.

Überhaupt fordert diese Straße mit all ihrer imperialen Größe das Spiel, das Theatralische geradezu heraus. Sie strahlt nicht nur Feierlichkeit, sondern auch Dekadenz aus. Miteinander verschmolzen, erschaffen sie das, was man als späten Wiener Stil bezeichnen könnte – ein ausgezeichneter aufputschender Cocktail:

50 ml Klimt

50 ml Freud

50 ml Erzherzog Ferdinand

ein Teelöffel Schönberg

eine Prise Wittgenstein

Serviert wird er in allen Bars der Ringstraße nach Sonnenuntergang. Vorher kann man noch von der Universität zur Oper gehen. Überhaupt darf ein Spaziergang auf dem Wiener Hauptboulevard nicht nach banalem Tourismus aussehen. Ich rate dazu, Rucksack, Kamera und Stadtplan zu Hause zu lassen. Schultern, Hals und Hände sollen möglichst frei und entspannt sein. Wenn Sie beim Spaziergang voll auf Ihre Kosten kommen wollen, dann nehmen Sie nichts mit außer Geldbörse und Zigaretten. Ebenso sollte man nach Möglichkeit auch das hoffnungslos in den Händen des modernen Menschen klebende iPhone und iPad im Hotel vergessen. Es ist wichtig, sich gemächlich auf der Ringstraße fortzubewegen, wenn möglich Hand in Hand mit einem nahestehenden Menschen, um mit ihm Sätze zu wechseln, wie:

„Die Oper.“

„Ja, ja, die Oper … Übrigens, mein Lieber, wir waren bis jetzt noch immer nicht im ,Tristan‘. Ich würde gerne wissen, was in diesem Monat auf dem Programm steht.“

„Schau, das Goethe-Denkmal. Hat er denn in Wien gelebt?“

„Nein, ich glaube nicht. Aber möglich wär’s.“

„Vielleicht …“

„Ist das der Platz, wo der Anschluss verkündet wurde?“

„Genau, hier haben die Wiener ‚Ja!‘ geschrien.“

„Schau, was für schöne Bäume …“

„Wien ist überhaupt eine grüne Stadt, das ist gut …“

„Und was für ein schönes Parlament sie haben.“

„Fast zu schön …“

„In so einem Parlament kann man nur schöne Beschlüsse fassen …“

Sobald die Sonne hinter den Dächern Wiens verschwunden ist, gehen Sie in eine beliebige Bar und bestellen den dekadenten Hauscocktail. Beim Trinken sollten Sie sich Zeit lassen und auch keine ernsten Gespräche dabei führen. Sie können auch ein Gericht bestellen, nach Möglichkeit, passend zu Ihrem Spaziergang, Wiener Küche, nur kein Wiener Schnitzel. Bestellen Sie Blunzn, eine gebratene Blutwurst mit leichter Beilage – damit können Sie nichts falsch machen. Sie können auch ein Gläschen roten Hauswein dazu trinken. Das Dessert lassen Sie besser weg, denn es könnte Sie matt und müde machen, und dann wollen Sie, statt weiterzuspazieren, ins Theater, um dort ein Schläfchen zu halten. Genehmigen Sie sich lieber noch ein paar Cocktails. Wenn Sie zwei, drei Stunden in der Bar zugebracht haben, können Sie zahlen und dem Barkeeper so ganz nebenbei ein paar Fragen stellen, in der Art: „Wer von den Wiener Aktionisten hat diese Bar besucht? Otto Muehl? Gleich nach der ‚Penis-Aktion‘? Ist einfach gekommen und hat sich ein Gläschen genehmigt? Unglaublich!“ Und dann können Sie rausgehen auf die Ringstraße.

In der Dämmerung wirkt sie verändert, feierlicher. Das Demokratische des Tages hat einem abendlichen Geheimnis Platz gemacht. Die Straßenlaternen sind an. Die beleuchteten Kolosse der Marmorbauten der Vergangenheit ragen über den Boulevard, und man kommt nun nicht mehr so einfach um sie herum wie am Tag. Sie heischen Aufmerksamkeit und schauen Sie an. Sie sind nicht allein – bei ihnen ist eine für immer entschwundene Epoche. Und deren Protagonisten.

„Und die Toten stehen umschlungen mit den Palästen …“

Nein, sie stehen nicht, sie bewegen sich, bewegen sich auf dem Boulevard direkt auf Sie zu:

Kaiserin Sisi mit durchdolchter Brust, totenbleichem Gesicht und wundervollem, aufgetürmtem Haar, Gustav Klimt, der sein Sackkleid abwirft und Adele Bloch-Bauer umarmt, die im goldenen Glanz seiner Farben versinkt, Sigmund Freud, der sein Gebiss mit der Zange auseinanderzwingt und eine Zigarre hineinsteckt, der junge Adolf Hitler in abgetragenem Mantel, mit durchdringendem Blick, gesträubtem Schnauzbart und einer Mappe mit seinen Aquarellen, sowjetische Soldaten, die ausgelassen einem um Hilfe rufenden Mädchen Fahrrad, Brot, Gemüse, Margarine und die Ehre wegnehmen, ein beleibter, rundgesichtiger, beschwipster Mann mit Melone, Weste und Akkordeon kommt aus dem Volksgarten direkt auf Sie zu, er zieht den Blasebalg seines Akkordeons auseinander und singt mit gefühlstriefender, leiernder Stimme:

Im grünen Wald von Mayerling

Ein schöner Traum zu Ende ging,

Zwei Herzen liebten sich so sehr

Und schlugen plötzlich nimmermehr.

Dann presst er den Blasebalg seines Akkordeons wieder zusammen und wendet sich an Sie:

„Meine Herren, was hat denn Sie zu dieser Stunde auf die Ringstraße verschlagen? Fahren wir besser zum Heurigen in unser Nussdorf. Ich versprech’ Ihnen, Sie werden sich nicht fadisieren! Die Kutsche steht bereit!“

Und aus der Dämmerung schält sich eine von zwei Rappen gezogene Kutsche, in der Sie die Ringstraße hinter sich lassen.

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