Suchformular

Berichte
Autor
Dmitrij Vachedin

Die deutsche Antwort auf "Leviathan"

Stefan Krohmers Film setzt ein Zeichen für die deutsch-russische Freundschaft.

Das halb verlassene Dorf Teriberka im Norden Russlands erlangte internationalen Ruhm nachdem Andrei Swjaginzew es zum zentralen Schauplatz seines Erfolgsfilms "Leviathan" machte. Über den Film stritten sich die Geister. Für manche Zuschauer wurde Teriberka zu einem Symbol von Armut, Korruption und totaler Ausweglosigkeit. Für andere blieb der Film reine Spekulation über ein tagespolitisches Thema. Swjaginzew wurde als "russophob" kritisiert, die Teriberka-Geschichte als Schwarzmalerei gebrandmarkt.

Teriberka in Bildern

Nun bietet sich die Möglichkeit, Teriberka von einer neuen Seite kennenzulernen – dank Regisseur Stefan Krohmer und seinem Film "Mädchen im Eis", der gestern in Hamburg Deutschlandpremiere feierte. Die Geschichte spielt in Teriberka, das Vorhaben wurde in einer Koproduktion mit dem Bayrischen Rundfunk, dem WDR und Arte realisiert. Und wieder geht es um aktuelle Probleme Russlands: patriotisch gesinnte Oligarchen mit ihren verrückten Großprojekten, ökologische Fragen, der Preis der sportlichen Erfolge. Doch diesmal wird der Film wohl keine kritische Welle in der internationalen Presse auslösen. Weil die Liebe zum Land und zu den Leuten hier offensichtlich ist und auch weil "Mädchen im Eis" nichts anderes als eine total überspitzte schwarze Komödie ist.

Die 20-jährige Deutsche Winja, gespielt von Lucie Heinze, hat sich unsterblich in den Russen Andrei verliebt und folgt ihm durch jedes Unwetter bis nach Teriberka, wo Andrei seine Frau bei den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele unterstützen möchte. Während die Profisportlerin Biathlon-Runden dreht, entflammt die heimliche Liebe zwischen Andrei und Winja erneut.

Im gleichen Hotel wohnt auch der nationalistische Oligarch Starytsch, der dem Werteverfall in Russland mit einem patriotischen Video entgegentreten möchte. Für das Video hat er nicht nur 100 Pinguine engagiert und eine großzügige Kulisse bauen lassen, sondern das ganze Dorf in seinen

Fünf Gründe, warum Sie „Leviathan“ sehen sollten

verrückten Bann gezogen. Die Pinguine soll Hochstapler Yegor, "Game of Thrones"-Star Juri Kolokolnikow in Bestform spielt ihn, anschaffen. Selbst als diese tot ankommen, lässt sich Starytsch nicht von seinem Vorhaben abhalten. Doch was genau der alte Oligarch vorhat, wird erst zum Schluss des Filmes ersichtlich.

"Mädchen im Eis" ist die wohl bedeutendste russisch-deutsche Filmkooperation der letzten Jahre und sie zeigt: Das Interesse an Zusammenarbeit ist da. Mehr noch, die Kooperation konnte trotz der politischen Meinungsverschiedenheiten stattfinden. Wie skurril auch immer das Thema des Filmes sein mag: Man erkennt den Wunsch, Russland zu verstehen. Der nächste Schritt wäre: mehr zu wagen. Es ist Zeit für eine neue filmische Auseinandersetzung mit Russland. Dass dies möglich ist, beweist "Mädchen im Eis".

 

Passend zum deutschen Kinostart verlost Russia Beyond The Headlines mit freundlicher Unterstützung von X Verleih AG 5x2 Kinokarten und von den Hauptdarstellern signierte Filmplakate. Zur Verlosung geht es hier

 

Meistgelesene Beiträge
Forum
19. August / 08. September
Staatliche Universität Voronezh, Russland
XI. Internationale Sommerschule: "Russland im Spannungsfeld zwischen Europa und seinen imperialen Peripherien"
Seminare, eine Reihe von Vorträgen, Russischintensivkurse sowie Exkursionen zu Ausflugszielen in der näheren Umgebung Voronezhs stehen auf dem Programm.
Festival
12. Juni / 14. Juni
Berlin-Karlshorst
Deutsch-Russische Festtage 2015
Auch in diesem Jahr finden vom 12. bis 14. Juni nun bereits zum neunten Mal die Deutsch-Russischen Festtage statt, wie gewohnt unter freiem Himmel in Berlin-Karlshorst.
Festival
05. Juni
Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin
Tag der russischen Sprache in Berlin
Preisvergabe der Aktion "Totales Diktat" und zwei Ausstellungen über Puschkin und Lermontow in Wort und Bild erwarten die Besucher des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin.
Ausstellung
04. Juni / 04. Oktober
Museumsfoyer der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig
SchriftBild. Russische Avantgarde
Wie Majakowskij, Rodtschenko und andere russische Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts Sprache, Schrift und Bild zu einer Synthese verschmolzen.