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Berichte
Autor
Olga Schtyrkina

Deutsch-Russisches Rektorenforum: Die Wissenschaft trotzt der Politik

In Berlin trafen sich die Rektoren und Präsidenten deutscher und russischer Hochschulen zu einem gemeinsamen Forum. Die Teilnehmer waren sich einig: Vor dem Hintergrund angespannter internationaler Beziehungen ist es besonders wichtig, Projekte zum sprachlichen und kulturellen Austausch zu realisieren.

Vom 30. September bis zum 2. Oktober 2014 fand im Rahmen des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland in Berlin das Forum der Rektoren führender russischer und deutscher Hochschulen, an denen Slawistik und Russischunterricht angeboten wird, statt. Das Forum wurde vom Bildungs- und Forschungsministerium der Russischen Föderation veranstaltet.

Im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur trafen sich Rektoren, Dozenten und weitere Mitarbeiter von russischen Hochschulen und Bildungseinrichtungen mit ihren deutschen Kollegen. Aus Russland kamen Vertreter der Staatlichen Universitäten Sankt Petersburg und Nowosibirsk, der Staatlichen Russischen Sozialwissenschaftlichen Universität, der Herzen-Universität für Pädagogik, der Gorki-Universität für Literatur, der Südlichen Föderalen Universität und der Universitäten Woronesch, Kursk, und Tomsk sowie des Puschkin-Instituts für russische Sprache. Die deutschen Hochschulen waren durch die Freie Universität und die Humboldt-Universität Berlin sowie die Universitäten Göttingen, Greifswald, Freiburg, Dresden, Bochum, Leipzig und Regensburg vertreten.

Diskutiert wurde die Rolle der russischen Sprache in der weltweiten Kommunikation der Gegenwart, Perspektiven der beruflichen Bildung, Besonderheiten beim Unterrichten des Russischen als Fremdsprache sowie die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Hochschulen. „Wir unterhalten 43 Programme mit Hochschulen in Deutschland“, berichtete Ljudmila Werbizkaja, Präsidentin der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Allein 17 dieser Programme widmeten sich aktuellen Problemen der russischen Sprache. Die aktuell angespannten Beziehungen Russlands zum Westen beeinträchtigten die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit dabei nicht, so Werbizkaja. Sie fügte hinzu: „Die Wissenschaft strebt trotz der politisch problematischen Beziehungen Einigkeit an.“

Projekte fördern den deutsch-russischen Austausch

Ein zentrales Thema in Berlin war auch das Fernstudium von Russisch als Fremdsprache. Jegor Saikin berichtete von den Erfahrungen der Universität Nowosibirsk. Saikin ist einer der Gründer des Projekts „Totales Diktat“, eines jährlich stattfindenden kostenlosen russischen Diktatwettbewerbs, der weltweit in über 150 Städten durchgeführt wird. Im Jahr 2012 war die Teilnahme erstmals auch in Berlin möglich. Der Wettbewerb geht auf eine studentische Initiative zurück, die Begeisterung für die russische Sprache und Rechtschreibung wecken wollte. Bei Jegor Saikin ist die Begeisterung jedenfalls zu spüren, er verglich die Teilnahme am Wettbewerb mit einem spannenden Fußballspiel.

Das Projekt „Totales Diktat“ hat auch viele weitere Projekte inspiriert, zum Beispiel „Russisch am Freitag“, das Jelena Kusnezowa, ebenfalls von der Universität Nowosibirsk, initiiert hat. Sie nutzte das Berliner Forum, um ihr Projekt einem akademischen Publikum vorzustellen und für weitere Mitglieder zu werben: „Russisch am Freitag“ ist ein kostenloser Online-Russischkurs, an dem zurzeit 15 000 Personen aus 57 russischen Städten sowie 500 Personen aus acht Städten im Ausland teilnehmen.

In Russland werde das Erlernen der deutschen Sprache bereits ab dem Kindergarten gefördert, erklärte Dmitrij Jendowizkij, Rektor der Universität von Woronesch. Den entsprechenden Unterricht erteilten Freiwillige, meist Germanistik-Studenten. Später könnten die Kinder spezielle, von der Universität betreute, bilinguale Schulen besuchen. Vergleichbare Angebote gibt es auch in Deutschland, wie die deutschen Teilnehmer anmerkten. So unterstützt das Lichtenberger Netzwerk einen Berliner Kindergarten, in dem auch Russisch gesprochen wird, sowie bilinguale Schulen und arbeitet mit der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW zusammen.

Die deutschen Teilnehmer der Veranstaltung teilten ihre Erfahrungen über das Unterrichten der russischen Sprache in Deutschland. Dabei ging es nicht nur um den Russischunterricht an Hochschulen, sondern auch an Schulen. Diese erhalten beispielsweise Unterstützung durch Projekte wie das „RussoMobil“, einem mobilen Sprach- und Kulturbüro, das den Schülern die russische Sprache näherbringen soll.

Darüber hinaus wurden auch neue Projekte vorgestellt. Die Universitäten Woronesch und Göttingen etwa haben eine Kooperation unterzeichnet. „Wir haben eine lange Geschichte der Beziehungen mit Deutschland. In dieser nicht einfachen politischen Zeit sind die Sprache, die Kultur und solche interuniversitären Projekte von großer Bedeutung“, betonte der Rektor der Universität Woronesch und war sich dabei einig mit seinem Göttinger Kollegen Professor Freise. Wichtig sei, dass Projekte nicht in der Planungsphase blieben, sondern auch tatsächlich realisiert würden, erklärte Jendowizkij.

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